GESCHICHTE

 

Die Geschichte und Entwicklung des Feuerwehrwesens

Die Geschichte der Entwicklung des Feuerlöschwesens verläuft parallel mit der Geschichte des Feuers. Ebenfalls gleichlaufend ist die Entwicklung des Brandschutzes mit den Veränderungen im Bau- und Siedlungswesen. Von dem Zeitpunkt an, als unsere Vorfahren aus den Höhlen in Hütten zogen, mussten sie sich auch Gedanken über die Verhütung und Bekämpfung von Bränden machen. Die aus Holz und Schilf errichteten Behausungen und die offenen Feuerstätten ließen jedoch den Menschen keine Chance für eine wirkungsvolle Brandbekämpfung.

86 v.Chr.

Bei Ausbruch eines Feuers konnte nur mehr das nackte Leben gerettet werden. Diese Ohnmacht gegenüber der Naturgewalt des Feuers nützten kriegsführende Parteien natürlich aus, um dem Gegner Schaden zuzufügen. Die ersten Brandschutzmaßnahmen wurden daher auch im Verlauf kriegerischer Auseinandersetzungen entwickelt, wie z. B. 86 v. Chr. die Tränkung von Holz mit Alaun, um es schwer entflammbar zu machen. Die erste bekannte und reguläre Feuerwehr bildete 24 v, Chr. der Polizeidirektor von Rom, Marcus Egnatius Rufus. Als Ausrüstung besaßen sie aus Lumpen gefertigte Löschdecken, Eimer, Beile, Sägen, Leitern, Einreißhaken, Stangen und Schwämme. Die Schwämme dienten, mit Wasser getränkt, als Atemschutz. Unsere Freiwilligen Feuerwehren verwendeten noch bis in die Zwischenkriegszeit solche Schwämme, weil sie sich Atemmasken nicht leisten konnten. Um 110 gab es bereits tragbare zweizylindrische Kolbenpumpen mit Wasserkasten und einer Art Wenderohr.

ab 150

Mit den Römern kam das Feuerlöschwesen auch in unsere Heimat. Um 150 bestanden in Carnuntum und Vindobona Militärfeuerwehren, die aus gedienten Soldaten, den Veteranen, gebildet wurden. Mit dem Abzug der römischen Besatzungstruppen verschwand aber auch die Erinnerung an ein geordnetes Feuerlöschwesen. Die folgenden Jahrhunderte waren erfüllt vom Grauen der Brände in den befestigten Siedlungen, deren Mauern oft nur ein oder wenige Tore als Fluchtweg offen ließen. Die Flammen vernichteten erbarmungslos die eingeschlossenen Menschen und ihre Habe. Solche verheerenden Brände sind von fast allen Städten und Märkten, aber auch von den Dörfern jener Zeit überliefert. Eine Ahnung von diesem Schrecken, den der Ruf „Feuer" in den Gassen mittelalterlicher Städte und Dörfer auslöste, gibt die Erinnerung an die schweren Luftangriffe auf zivile Städte im Verlauf des Zweiten Weltkrieges, denen die Bevölkerung ebenfalls hilflos ausgeliefert war, wieder.

Unter dem Eindruck dieser immer wiederkehrenden Brandkatastrophen entstanden nach und nach „Feuerlöschordnungen" und damit Versuche, die Brandabwehr und -verhütung zu regeln. Diese Feuerordnungen waren in den „Weistümern" vieler Orte enthalten. Weistümer sind Aufzeichnungen mündlich überlieferter Gewohnheitsrechte und -pflichten der Untertanen in Form von Rechtssprüchen. Von Gänserndorf ist kein Weistum bekannt.

Der Ausbruch eines Feuers bedeutete aber nicht nur für die Betroffenen eine Katastrophe, sondern auch für die Nachbarn, manchmal für den ganzen Ort. Die aus luftgetrockneten Lehmziegeln erbauten und mit Stroh gedeckten Häuser hatten keine Feuermauern, so dass das Feuer sofort auf die Nachbarhäuser übergriff. Um eine Ausbreitung auf den gesamten Ort zu erschweren, sah man sogenannte „Feuerlucken" vor, das waren freie Flächen im Verlauf einer Häuserzeile. In Gänserndorf dürften solche „Lucken" die Einmündungen der Eichamtstraße und der Schönkirchner­Straße in die Hauptstraße, dem damaligen Dorfanger, gewesen sein (die Straße von Schönkirchen mündete früher bei der Johann Straußgasse in den Ort). Wehe aber, wenn bei Ausbruch eines Brandes Wind oder Sturm herrschte, dann halfen auch die „Lucken" nichts.

Die Bekämpfung des Feuers beschränkte sich darauf, Mensch, Tier und Habe zu retten und nach Möglichkeit ein Übergreifen auf andere Objekte zu verhindern. An Gerätschaften waren Eimer, Feuerpatschen, Leitern, Einreißhaken und eventuell eine Handspritze vorhanden. Diese Handspritze war eine einfache Stockspritze, ähnlich einer primitiven Wurst­spritze.

ab 1672

Den größten Fortschritt in der Brandbekämpfung brachte die Erfindung des Schlauches durch den Holländer Jan van der Heyde in den Jahren 1672/73. Es waren genähte Lederschläuche, die durch eine einfache Schlauchverbindung verbunden wurden Die Lederschläuche waren sehr teuer und mussten ständig eingefettet werden, ihre Pflege war sehr aufwendig.

Um 1770 gelang im Zuchthaus von Hamburg erstmals die Herstellung von gewebten Hanfschläuchen, die leichter waren und besser gepflegt werden konnten. Die Spritze war trag- oder fahrbar, hatte schon einen Druckhebel und Querstangen für die Bedienungsmannschaft. Das Wasser musste noch mit Eimern zur Spritze gebracht und dort in einen Bottich, den Wasserkasten geschüttet werden.

Einen weiteren Fortschritt brachten die von Joseph II. 1782 erbrachten zwei Feuerordnungen. Eine für Städte und Märkte, und eine die für die Dörfer bestimmt war. Sie war für die damaligen Verhältnisse sehr modern.

Inzwischen hat sich auch die technische Entwicklung verbessert. 1761 wurde die erste Schiebeleiter entwickelt und Anfang des 19. Jh. gab es bereits die sogenannten „Hydrophore“, das waren Karrenspritzen mit einem Saug- und Druckwindkessel, die den Wasserstrahl bis zu 30 m weit schleudern konnten. Um die Jahrhundertmitte tauchten die ersten Dampffeuerspritzen auf, die sich aber nur wenige Gemeinden leisten konnte.

ab 1857

In Süddeutschland bestanden bereits sogenannte „Turnerfeuerwehren“, die aus Mitgliedern von Turnvereinen gebildet wurden und bestens geschult und organisiert waren. Nach diesem Vorbild wurde als erste 1857 die „Freiwillige Turnerfeuerwehr Innsbruck“ gegründet, die bald solches Ansehen genoss, dass man in den anderen österreichischen Ländern ähnliche Organisationen gründete.

Bereits im Jahre 1861 stellte Krems die erste niederösterreichische „Turnerfeuerwehr“ auf. Wr. Neustadt und Hainburg folgten noch im gleichen Jahr, 1868 Groß Enzerdorf und damit die erste Feuerwehr im Marchfeld.

1869 Gründung des Feuerwehrverbandes von Niederösterreich

Am 16. und 17. Mai 1869 fand in Baden bei Wien der erste niederösterreichische Feuerwehrtag statt, dessen Höhepunkt der Beschluss einer Trennung von den Turnvereinen und die Gründung des „Verbandes der Freiwilligen Feuerwehren von Niederösterreich" war.

Ein Jahr später wurde mit Gesetz vom 1. Juni 1870 (LGBl. Nr. 39/1870), eine für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns gültige Feuerpolizeiordnung kundgemacht, die bis zum Jahre 1927 in ihren Grundzügen unverändert blieb.

Ein wichtiger Punkt davon lautete:
„Die Handhabung der Feuerpolizei gehört in den selbständigen Wirkungsbereich der Ortsgemeinde, diese hat auch hierfür die Kosten zu tragen."

Damit waren auch die legislative Grundlage und der letzte Anstoß für die Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr" in Gänserndorf gegeben.